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Bester Vorsorge-Leitfaden für Paare ohne Trauschein: Warum unverheiratete Partner sofort handeln müssen

Die Ausgangslage, die viele nicht kennen

Unverheiratete Paare stehen in Deutschland vor einem doppelten Nachteil: Kein gesetzliches Erbrecht und kein automatisches Vertretungsrecht. Wenn Ihr Partner morgen ins Krankenhaus kommt und nicht mehr ansprechbar ist, dürfen Sie rechtlich keine medizinischen Entscheidungen für ihn treffen. Das Ehegattennotvertretungsrecht nach § 1358 BGB gilt für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner — und selbst dort nur für sechs Monate und nur für Gesundheitsangelegenheiten.

Ohne Testament oder Erbvertrag erbt der unverheiratete Partner nichts. Die gesetzliche Erbfolge kennt nur Verwandte, Ehegatten und eingetragene Lebenspartner. Das gemeinsam aufgebaute Zuhause? Geht an die gesetzlichen Erben — Kinder, Eltern, Geschwister des Verstorbenen. Die gemeinsam abbezahlte Wohnung? Muss im schlimmsten Fall verkauft werden, um die Erben auszuzahlen.

Deshalb ist Vorsorge für unverheiratete Paare nicht optional, sondern existenziell. Die Frage ist: Welcher Leitfaden deckt diese spezifische Situation am besten ab?

Was unverheiratete Paare rechtlich absichern müssen

Die Absicherung hat vier Säulen — jede einzelne ist nur wirksam, wenn sie aktiv geregelt wird. Für Ehepaare übernimmt das Gesetz vieles automatisch; für unverheiratete Paare gilt: Was nicht dokumentiert ist, existiert nicht.

Gegenseitige Vorsorgevollmacht. Ihr Partner muss Sie ausdrücklich bevollmächtigen, in seinem Namen medizinische Entscheidungen zu treffen, Bankgeschäfte zu erledigen und mit Behörden zu kommunizieren. Ohne diese Vollmacht kann das Betreuungsgericht einen Betreuer bestellen — und das muss nicht der Lebenspartner sein.

Patientenverfügung mit Partnerbenennung. Die Patientenverfügung legt fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie wünschen oder ablehnen. Für unverheiratete Paare ist sie doppelt wichtig: Ohne Vorsorgevollmacht oder ausdrückliche Schweigepflichtentbindung hat Ihr Partner keinerlei Auskunftsrecht im Krankenhaus — die Schweigepflicht der Ärzte gilt auch gegenüber dem Lebensgefährten.

Testament zugunsten des Partners. Nur ein Testament oder Erbvertrag gibt dem unverheirateten Partner ein Erbrecht. Die gesetzliche Erbfolge schließt Lebensgefährten komplett aus. Aber Vorsicht: Der erbschaftsteuerliche Freibetrag für nichteheliche Partner beträgt nur 20.000 € (Steuerklasse III) — verglichen mit 500.000 € für Ehegatten (Steuerklasse I). Bei gemeinsamer Immobilie ist steuerliche Beratung dringend nötig.

Sorgerechtsverfügung bei gemeinsamen Kindern. Hat nur ein Elternteil das alleinige Sorgerecht und stirbt, fällt das Sorgerecht nicht automatisch an den anderen Elternteil, wenn das gemeinsame Sorgerecht nicht erklärt wurde. Eine Sorgerechtsverfügung stellt sicher, dass das Familiengericht den Wunsch der Eltern kennt.

Welcher Leitfaden deckt das ab?

Absicherungs-Bedarf BMJV-Broschüren (kostenlos) Stiftung Warentest Vorsorge-Set (16,90 €) Afilio (29–72 €/Jahr) Vorsorge-Navigator (einmalig)
Vorsorgevollmacht Einzelbroschüre, ohne Partner-Fokus Formular zum Heraustrennen Online-Generator Formulierungshilfe + ZVR-Registrierung
Patientenverfügung Eigene Broschüre Formular vorhanden Online-Generator Formulierungshilfe nach BGH-Maßstab
Testament für Partner Nicht abgedeckt Allgemeine Hinweise Nicht abgedeckt Kapitel zu Testament, Steuerklasse III, Nießbrauch
Sorgerechtsverfügung Nicht abgedeckt Nicht enthalten Nicht abgedeckt Eigenes Kapitel
Steuerliche Situation Nicht thematisiert Nur allgemein Nicht thematisiert Freibeträge, Steuerklassen, Gestaltungstipps
Digitaler Nachlass Nicht abgedeckt Nicht enthalten Nicht enthalten BGH-Urteil, Krypto, Cloud, Social Media
Bestattungsvorsorge Nicht abgedeckt Nicht enthalten Nicht enthalten Kostenvergleich, Treuhand, Sterbegeld

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Die spezifischen Fallstricke für unverheiratete Paare

Freibetrag-Falle bei der Erbschaftsteuer. Der Freibetrag für nichteheliche Partner liegt bei 20.000 € in Steuerklasse III. Alles darüber wird mit 30 % bis 50 % besteuert. Bei einer gemeinsamen Immobilie im Wert von 300.000 € und einem Erbanteil von 150.000 € ergibt das eine Steuerlast von rund 39.000 €. Der Vorsorge-Navigator erklärt, wie Sie diese Belastung durch Nießbrauch, Vermächtnisse und lebzeitige Übertragungen reduzieren — und wann der Gang zum Steuerberater oder Notar unvermeidlich ist.

Gemeinsame Mietwohnung. Stirbt der Hauptmieter, hat der Lebenspartner nach § 563 Abs. 2 BGB ein Eintrittsrecht in den Mietvertrag. Dieses Recht besteht auch ohne Ehe — aber nur, wenn Sie einen auf Dauer angelegten gemeinsamen Haushalt nachweisen können. Vermieter bestreiten das regelmäßig. Der Ratgeber zeigt, wie Sie den Nachweis schon jetzt dokumentieren.

Bankvollmacht. Ohne Bankvollmacht oder Erbschein sperren Kreditinstitute den Zugang zu Konten im Todesfall. Ein Erbschein dauert zwei bis sechs Monate — und kostet bei einem Vermögen von 200.000 € insgesamt 870 €. Eine transmortale Bankvollmacht vermeidet beides, muss aber zu Lebzeiten erteilt und bei der jeweiligen Bank hinterlegt werden.

Für wen dieser Leitfaden gedacht ist

  • Paare, die ohne Trauschein zusammenleben und sich gegenseitig absichern wollen
  • Unverheiratete mit gemeinsamer Immobilie oder gemeinsamem Kredit
  • Nichteheliche Paare mit Kindern, die das Sorgerecht regeln müssen
  • Verwitwete oder geschiedene Personen, die mit einem neuen Partner zusammenleben

Für wen dieser Leitfaden nicht gedacht ist

  • Eingetragene Lebenspartner (gleichgeschlechtlich, vor 2017 registriert) — sie sind Ehegatten erbrechtlich und steuerlich gleichgestellt
  • Paare, die heiraten werden und die gesetzliche Absicherung nutzen wollen
  • Personen, die eine umfassende anwaltliche Vermögensnachfolge-Beratung brauchen

Häufig gestellte Fragen

Hat mein Lebensgefährte ein Auskunftsrecht im Krankenhaus?

Nein. Ohne Vorsorgevollmacht oder ausdrückliche Schweigepflichtentbindung unterliegen Ärzte der Schweigepflicht — auch gegenüber dem Lebensgefährten. Das Ehegattennotvertretungsrecht nach § 1358 BGB gilt für Ehepartner und eingetragene Lebenspartner. Unverheiratete müssen die gegenseitige Vertretung durch eine Vorsorgevollmacht aktiv regeln.

Wie hoch ist der Erbschaftsteuer-Freibetrag für unverheiratete Partner?

20.000 € in Steuerklasse III. Zum Vergleich: Ehepartner haben 500.000 € in Steuerklasse I. Der Steuersatz auf den Betrag oberhalb des Freibetrags beginnt bei 30 % (bis 6.000.000 €) — deutlich höher als die 7–30 % in Steuerklasse I.

Können unverheiratete Paare ein gemeinsames Testament aufsetzen?

Nein. Das gemeinschaftliche Testament (§ 2265 BGB) — also auch das Berliner Testament — ist Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnern vorbehalten. Unverheiratete Paare können stattdessen jeweils ein eigenes Testament errichten oder einen Erbvertrag beim Notar schließen (zwingend notariell beurkundungspflichtig nach § 2276 BGB).

Was passiert mit unserer gemeinsamen Wohnung, wenn mein Partner stirbt?

Ohne Testament oder Erbvertrag geht der Eigentumsanteil Ihres Partners an dessen gesetzliche Erben — Kinder, Eltern, Geschwister. Als Miteigentümer können Sie den Anteil nicht allein nutzen oder verkaufen, ohne die Zustimmung der Erbengemeinschaft. Im schlimmsten Fall kann ein Erbe die Teilungsversteigerung beantragen. Ein Testament allein löst das Steuerproblem nicht — aber es verhindert, dass Fremde über Ihre Wohnung mitentscheiden.

Fällt das Sorgerecht automatisch an den anderen Elternteil?

Nur wenn das gemeinsame Sorgerecht besteht (durch gemeinsame Sorgeerklärung beim Jugendamt oder Geburtsurkunde mit Vaterschaftsanerkennung + Sorgeerklärung). Hat nur ein Elternteil das alleinige Sorgerecht und stirbt, entscheidet das Familiengericht über das Sorgerecht — nicht automatisch zugunsten des anderen Elternteils. Eine Sorgerechtsverfügung beeinflusst diese Entscheidung maßgeblich.

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