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Todesfall organisieren ohne Anwalt: Wann Sie es selbst schaffen — und wann nicht

Bei einem unkomplizierten Nachlass — eindeutiges Testament, ein oder zwei Erben, keine Schulden — können Sie die gesamte Abwicklung nach einem Todesfall in Deutschland ohne Anwalt bewältigen. Das spart die Erstberatungsgebühr (ab 190 Euro) und die laufenden Anwaltskosten. Was Sie stattdessen brauchen, ist ein strukturierter Fahrplan, der Ihnen zeigt, welche Fristen laufen, welche Behörden kontaktiert werden müssen und welche teuren Fehler Sie vermeiden können. In drei klar abgrenzbaren Situationen ist ein Fachanwalt für Erbrecht allerdings unersetzlich — und der Ratgeber hilft Ihnen, genau diese Fälle zu erkennen.

Was nach einem Todesfall zu tun ist — der Überblick

Die Abwicklung nach einem Todesfall in Deutschland umfasst drei Bereiche, die parallel laufen:

Bereich 1: Bestattung — Leichenschau, Standesamt, Bestattungsinstitut, Beisetzung. Hier sind die Fristen am kürzesten (24 Stunden bis 10 Tage je nach Bundesland).

Bereich 2: Finanzen — Versicherungsmeldungen (24–72 Stunden), Bankkonten freigeben, Daueraufträge sichern, Sterbevierteljahr beantragen, Versicherungen kündigen.

Bereich 3: Erbrecht — Testament beim Nachlassgericht einreichen, Erbschein beantragen (oder vermeiden), Erbausschlagung prüfen (6-Wochen-Frist), Grundbuchberichtigung (2-Jahres-Frist), Erbschaftsteuer anzeigen (3-Monats-Frist).

Keiner dieser Schritte erfordert zwingend einen Anwalt. Aber jeder einzelne erfordert Wissen über Fristen, Formulare und Rechtsgrundlagen — Wissen, das die meisten Familien beim ersten Todesfall nicht haben.

Was Sie selbst erledigen können

Standesamt und Sterbeurkunden

Die Anzeige beim Standesamt (spätestens am dritten Werktag nach dem Tod, § 18 PStG) und die Beantragung von Sterbeurkunden sind reine Verwaltungsakte. Sie brauchen: Personalausweis des Verstorbenen, Geburtsurkunde, ggf. Heiratsurkunde oder Scheidungsurteil. Kein Anwalt nötig.

Versicherungsmeldungen

Lebens-, Unfall- und Sterbegeldversicherungen verlangen eine Meldung innerhalb von 24 bis 72 Stunden. Das können Sie selbst erledigen — vorausgesetzt, Sie wissen, welche Versicherungen bestehen und wo die Policen liegen. Ein Musterschreiben reicht.

Bankkonten freigeben

Nach dem BGH-Urteil (Az. XI ZR 401/12) darf die Bank keinen teuren Erbschein verlangen, wenn ein notarielles Testament plus Eröffnungsprotokoll vorliegt. Dieses Wissen allein spart bei einem Nachlasswert von 100.000 Euro über 546 Euro an Gerichtsgebühren. Sie können die Bank direkt mit den richtigen Dokumenten ansprechen — ohne Anwalt.

Bestattung organisieren

Die Auswahl des Bestatters, die Bestimmung der Bestattungsart und die Verhandlung der Kosten können Sie selbst übernehmen. Eine schlichte Feuerbestattung beginnt bei rund 4.000 Euro, eine aufwendige Erdbestattung kann 23.600 Euro kosten. Die Differenz liegt in Posten, die verhandelbar sind — wenn Sie wissen, welche.

Rentenansprüche sichern

Das Sterbevierteljahr (drei volle Monatsrenten des Verstorbenen als Vorschuss für den überlebenden Ehepartner) und die Witwen-/Witwerrente beantragen Sie direkt bei der Deutschen Rentenversicherung. Standardformulare, kein Anwalt nötig.

Erbschaftsteuer anzeigen

Die Anzeige beim Finanzamt (§ 30 ErbStG, 3-Monats-Frist) ist ein Formular. Bei Nachlasswerten unter dem Freibetrag (500.000 Euro für Ehegatten, 400.000 Euro für Kinder) fällt ohnehin keine Steuer an.

Wann Sie einen Anwalt brauchen

Drei Konstellationen erfordern professionelle juristische Hilfe:

1. Überschuldeter Nachlass

Wenn Sie vermuten, dass die Schulden des Verstorbenen sein Vermögen übersteigen, läuft die Erbausschlagungsfrist von sechs Wochen (§ 1944 BGB). Eine falsche Entscheidung ist irreversibel — wer das Erbe annimmt (auch stillschweigend durch Untätigkeit), haftet mit dem eigenen Vermögen für alle Schulden. Hier ist ein Anwalt nicht optional.

2. Strittiges Testament

Wenn Erben das Testament anfechten, Pflichtteilsansprüche geltend machen oder die Auslegung eines handschriftlichen Testaments unklar ist, brauchen Sie juristische Vertretung. Die Streitwerte können erheblich sein — Pflichtteilsansprüche betragen 50 % des gesetzlichen Erbteils.

3. Erbengemeinschaft mit Konflikt

Wenn mehrere Erben sich nicht über die Verwaltung oder Aufteilung des Nachlasses einigen können, ist eine Erbengemeinschaft (§ 2032 BGB) ein rechtliches Minenfeld. Kein Miterbe kann allein über Nachlassgegenstände verfügen. Blockaden bei der Kontofreigabe, Streit über den Verkauf einer Immobilie, Weigerung einzelner Miterben — hier ist juristische Vermittlung oder Vertretung nötig.

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Was ein Ratgeber besser kann als ein Anwalt

Ein Fachanwalt für Erbrecht ist Spezialist für juristische Fragen. Aber er deckt nicht ab, was 80 % der Arbeit nach einem Todesfall ausmacht: die organisatorische Abwicklung.

Aufgabe Anwalt Ratgeber
Erbausschlagung beraten Ja, seine Kernkompetenz Erklärt die Frist und Entscheidungskriterien
Versicherungen melden (24h-Frist) Nein, nicht sein Bereich Musterschreiben inklusive
Bestattungskosten vergleichen Nein Vergleichstabelle aller Kostenposten
Bundesland-Fristen nachschlagen Nein Alle 16 Bundesländer abgedeckt
BGH-Urteil zum Erbschein anwenden Ja, aber kostenpflichtig Erklärt, wie Sie es selbst bei der Bank vorlegen
Sterbevierteljahr beantragen Nein Schritt-für-Schritt-Anleitung
Gesamtablauf chronologisch ordnen Nein — Anwälte beraten zu Einzelfragen Der Kern des Ratgebers

Der Ratgeber als Triage-System

Der Ratgeber Bestattung und Trauerrecht in Deutschland funktioniert als Triage-System: Er befähigt Sie zur Selbsthilfe bei allen Standardprozessen und zeigt klar die roten Linien, an denen Sie professionelle Hilfe brauchen. Für erhalten Sie den chronologischen Fahrplan, Musterschreiben, Vergleichstabellen und die BGH-Rechtsprechung — und sparen sich die Erstberatungsgebühr beim Anwalt für die 70 % der Fälle, in denen Sie keinen brauchen.

Für wen dieser Weg funktioniert

  • Familien mit einem eindeutigen Testament oder gesetzlicher Erbfolge ohne Streit
  • Ein oder zwei Erben, die sich einig sind
  • Nachlass ohne erhebliche Schulden
  • Angehörige, die bereit sind, Formulare und Behördengänge selbst zu erledigen
  • Überlebende Ehepartner mit gemeinsamem Konto oder transmortaler Vollmacht

Für wen dieser Weg nicht funktioniert

  • Nachlass mit unklarer Schuldenlage — hier ist die Erbausschlagung zu riskant ohne Anwalt
  • Mehrere Erben, die nicht miteinander sprechen
  • Handschriftliche Testamente mit mehrdeutigen Formulierungen
  • Nachlass mit Auslandsbezug und mehreren Rechtsordnungen (hier hilft ggf. der Ratgeber-Abschnitt zum Europäischen Nachlasszeugnis als erster Überblick)

Häufig gestellte Fragen

Kann ich die Erbausschlagung ohne Anwalt erklären?

Ja, die Erbausschlagung erfolgt durch Erklärung beim Nachlassgericht — persönlich oder über einen Notar (§ 1945 BGB). Das kostet die Gerichtsgebühr (30 Euro pauschal), keinen Anwalt. Aber: Wenn Sie unsicher sind, ob der Nachlass überschuldet ist, holen Sie vorher juristischen Rat. Die Frist von sechs Wochen ab Kenntnis ist nicht verlängerbar.

Was kostet ein Anwalt für die Nachlassabwicklung?

Die Erstberatung kostet laut RVG maximal 190 Euro plus Mehrwertsteuer. Für eine vollständige Nachlassabwicklung richten sich die Gebühren nach dem Nachlasswert — bei 100.000 Euro Nachlasswert können das mehrere Tausend Euro sein. Bei einem unkomplizierten Nachlass sind diese Kosten vermeidbar.

Reicht ein Ratgeber wirklich aus, um alles richtig zu machen?

Bei Standardfällen (eindeutige Erbfolge, keine Schulden, kooperative Erben) ja. Der Ratgeber deckt den gesamten Prozess ab: Bestattung, Finanzen, Erbrecht. Er enthält Musterschreiben, Fristen aller 16 Bundesländer und die relevante BGH-Rechtsprechung. Bei den drei genannten Ausnahmefällen verweist er klar an den Fachanwalt.

Wie erkenne ich, ob der Nachlass überschuldet ist?

Prüfen Sie: Gibt es offene Kredite, Bürgschaften, Steuerschulden oder negative Kontostände? Wenn Sie innerhalb der 6-Wochen-Frist keine Klarheit haben, können Sie beim Nachlassgericht eine Nachlassverwaltung beantragen, die Ihre persönliche Haftung begrenzt. Der Ratgeber erklärt diesen Schutzmechanismus im Detail.

Muss ich zum Notar, wenn ein handschriftliches Testament vorliegt?

Nein, aber Sie müssen das Testament unverzüglich beim zuständigen Nachlassgericht abliefern (§ 2259 BGB). Das Gericht eröffnet es und stellt das Eröffnungsprotokoll aus. Ob das Testament gültig und eindeutig ist, steht auf einem anderen Blatt — bei Zweifeln ist ein Anwalt ratsam.

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